Buch des Monats November 2016

 

Mouhanad Khorchide

Islam ist Barmherzigkeit

Grundzüge einer modernen Religion, Herder Tb 10.99 €, 2015

Mouhanad Khorchide kennt den Islam unterschiedlicher Prägung aus eigenem Erleben. Aufgewachsen als Kind palästinensischer Flüchtlinge im Libanon hat er einen lebenszugewandten, auf den respektvollen Umgang mit anderen Religionen angelegten Islam kennengelernt. Als sein Vater eine Stelle in Saudi Arabien bekam, zog er mit der Familie in eine ganz andere Welt, er nennt sie den salafistischen Islam. Beide Erfahrungen hat er ins einen Studien reflektiert. Daraus ist die spannende Skizze einer "modernen Religion" geworden, in der die Barmherzigkeit Gottes als Grundpfeiler der Botschaft des Koran dargestellt wird.

Im Gespräch mit vielen islamischen Kulturvereinen, die Khorchide am liebsten seine Lehrbefähigung entziehen möchten, wird man schnell feststellen, dass Khorchide nicht "den Islam" repräsentiert. Die Lektüre lohnt sich ungemein, wenn man an einem Dialog interessiert ist, der aufklärt und erhellt und das Erleben der eigenen Religion dabei kritisch mit betrachtet.


Der Autor Mouhanda Korchide, geb. 1971 in Beirut, aufgewachsen in Saudi-Arabien, studierte Islamische Theologie und Soziologie in Beirut und Wien. Seit 2010 ist er Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster.

 

 

 

Buch des Monats November 2016

 

Mouhanad Khorchide

Islam ist Barmherzigkeit

Grundzüge einer modernen Religion, Herder Tb 10.99 €, 2015

Mouhanad Khorchide kennt den Islam unterschiedlicher Prägung aus eigenem Erleben. Aufgewachsen als Kind palästinensischer Flüchtlinge im Libanon hat er einen lebenszugewandten, auf den respektvollen Umgang mit anderen Religionen angelegten Islam kennengelernt. Als sein Vater eine Stelle in Saudi Arabien bekam, zog er mit der Familie in eine ganz andere Welt, er nennt sie den salafistischen Islam. Beide Erfahrungen hat er ins einen Studien reflektiert. Daraus ist die spannende Skizze einer "modernen Religion" geworden, in der die Barmherzigkeit Gottes als Grundpfeiler der Botschaft des Koran dargestellt wird.

Im Gespräch mit vielen islamischen Kulturvereinen, die Khorchide am liebsten seine Lehrbefähigung entziehen möchten, wird man schnell feststellen, dass Khorchide nicht "den Islam" repräsentiert. Die Lektüre lohnt sich ungemein, wenn man an einem Dialog interessiert ist, der aufklärt und erhellt und das Erleben der eigenen Religion dabei kritisch mit betrachtet.


Der Autor Mouhanda Korchide, geb. 1971 in Beirut, aufgewachsen in Saudi-Arabien, studierte Islamische Theologie und Soziologie in Beirut und Wien. Seit 2010 ist er Professor für Islamische Religionspädagogik an der Universität Münster.

 

 

 

Buch des Monats September 2016

 

Michelle Cohen Corasanti

Der Junge, der vom Frieden träumte Roman

FISCHER Taschenbuch Juni 2016, 9.99 €

»Was der ›DRACHENLÄUFER‹ für Afghanistan,
ist der ›Der Junge, der vom Frieden träumte‹ für Palästina.«
Huffington Post

»Der Junge, der vom Frieden träumte« von Michelle Cohen Corasanti ist ein Roman, der den Leser den Nahostkonflikt hautnah erleben lässt. Er erzählt vom Schicksal eines jungen Palästinensers, der zwischen den Fronten des Krieges aufwächst und dennoch versucht, sich die Menschlichkeit zu bewahren.

Der zwölfjährige Palästinenser Ahmed kämpft um das Überleben seiner Familie, der einst eine blühende Orangenplantage gehörte. Mittlerweile haben die Israelis den dortigen Bauern fast alles genommen. Auf der Jagd nach einem Schmetterling kommt seine zweijährige Schwester Amal in einem Minenfeld ums Leben. Als auch noch sein Vater verhaftet und der Familie alles genommen wird, ist er der Einzige, der sie retten kann. Denn Ahmed ist ein Mathematikgenie und erhält eines der begehrten Stipendien an der Universität von Tel Aviv. Doch dort ist er der einzige Palästinenser unter Juden... Ein bewegendes Leben zwischen den Fronten - und eine Geschichte, die Hoffnung macht.

 

 

 

Buch des Monats Juli 2016

Jeannette Walls  Ein ungezähmtes Leben

Jeannette Walls erzählt die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Lily, einer starken, eigensinnigen Frau, die sich nicht nur im Umgang mit wilden Pferden, sondern auch als Lehrerin, Rancherfrau, Schnapsschmugglerin, Pokerspielerin, Flugzeugpilotin und Mutter bewährt hat und Anfang des 20. Jahrhunderts den »Wilden Westen« unsicher machte. Isa Haun stellt den 2009 veröffentlichten Roman von Jeannette Walls vor, der 115 Wochen lang einen Platz auf der SPIEGEL-Bestsellerliste eingenommen hat.

Jeannette Walls veröffentlichte über ihre außergewöhnliche Kindheit 2006 die Autobiographie Schloss aus Glas, welche ihr zu internationaler Bekanntheit verhalf. Der Titel wurde in 23 Sprachen übersetzt. Allein in Deutschland verkaufte sich Schloss aus Glas über 500.000 mal, 26 Wochen stand das Buch auf der SPIEGEL-Bestsellerliste.

Jeannette Walls wurde in Phoenix, Arizona, geboren. Sie studierte am Barnard College und arbeitete über zwanzig Jahre als Journalistin in New York. Sie schrieb Gesellschaftskolumnen für E! Channel und das New Yorker Magazin Intelligencer und moderierte dreimal wöchentlich eine Live-Sendung im Morgenfernsehen bei MSNBC. Seit 2007 arbeitet sie hauptberuflich als Autorin. Jeannette Walls lebt mit ihrem Mann in Virginia.

 

 

 

Buch des Monats Juni 2016

 

 

Fußball, Jean-Philippe Toussaint, 2016

Jenen Sommerabend, an dem Argentinien und die Niederlande um den Einzug ins Finale der Fußballweltmeisterschaft spielen, verbringt Jean-Philippe Toussaint in seinem Arbeitszimmer auf Korsika. Draußen tobt ein Unwetter, es ist dunkel, der Strom ist ausgefallen. Aus einem kleinen Transistorradio tönt die aufgeregte Stimme eines italienischen Kommentators, es gibt Elfmeterschießen, Maxi Rodriguez setzt zum Schuss an, die Fans jubeln ... lebensnahe, dem Autor eigentlich wesensfremde Bilder beginnen, sich mit seinen Romanwelten zu überlagern, in die poetische, zerbrechliche Allgegenwart der Literatur einzudringen und verlorengegangenen Empfindungen und vergrabene Erinnerungen wachzurufen: An grünen Rasen im Flutlicht, einen gebrochenen Arm und kindliche Tränen, Puplic Viewing in Japan - fünf Weltmeisterschaften.
»Fußball« ist eine schlaglichtartige, hochunterhaltsame und mit autobiographischen Abschweifung versehene Liebeserklärung eines Intellektuellen an eine der wenigen Leidenschaften, die neben der Literatur Bestand hat: Fußball.


»In seiner unvergleichbaren Art, ebenso sensibel wie schelmisch, erschafft Jean-Philippe Toussaint Bilder vom Fußball, die von der Begeisterung der Kindheit, seiner Beschwörungsmacht und seiner fragilen Klarheit erzählen. Bilder, die Toussaint entstehen lässt, um der Literatur ein Fest zu bereiten.«
Jean Birnbaum, Le Monde

Jean-Philippe Toussaint, geboren 1957, ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Regisseur und Fotograf. Er lebt in Brüssel und auf Korsika. Sein Roman »Sich lieben« (2003) avancierte in Frankreich zum Bestseller. Für »Fliehen« (2007) erhielt Toussaint den Prix Médicis, einen der wichtigsten französischen Literaturpreise. Mit den Romanen »Die Wahrheit über Marie« (2010) und »Nackt« (2014) stand Toussaint auf der Shortlist für den Prix Goncourt.

Buch des Monats Mai 2016

Montag| 09.05.2016 |  16:00 Uhr bis 17:30 Uhr | Flair

David Grossman: Kommt ein Pferd in die Bar

Dovele, der Comedian, kommt auf die Bühne, als hätte ihm jemand einen Tritt verpasst. Er rappelt sich auf, reckt den Hintern in die Luft und beginnt seinen gewaltigen Redeschwall, bei dem das Publikum bald nicht mehr weiß, ob es lachen oder weinen soll.

Für eine gute Pointe gibt Dovele alles, und heute ist sein Geburtstag. Ein Jugendfreund, inzwischen pensionierter Richter, den er zu seinem Auftritt eingeladen hat, hört ihm zu. Und zufällig sitzt in der ersten Reihe auch eine Frau, die früher Doveles Nachbarin war. Sie erinnert sich, dass er als Kind oft auf den Händen lief. Er tat das, um seine Mutter zum Lachen zu bringen und damit ihm keiner ins Gesicht schlug. Im Laufe des Abends erzählt der Comedian zwischen vielen Witzen eine tragische Geschichte seiner Jugend. Es geht um Freundschaft, Liebe, Verrat und eine sehr persönliche Abrechnung auf dem Weg zu einer Beerdigung. Dem Kleinstadtpublikum ist das Lachen vergangen. Den Leser hält David Grossman mit diesem grandiosen Roman bis zur letzten Zeile gefangen.

Pfarrer i.R. Johannes Haun stellt den neuen Roman des Friedenspreisträgers des Deutschen Buchhandels (2010) vor.

Die Termine für 2016:
11.01.2016, 07.03.16, 09.05.16, 11.07.16, 12.09.16 und 28.11.16.

Internationale Wochen gegen Rassismus in Remscheid 10.3. - 1.4.2016

Montag | 21.03.2016 | 19:30 Uhr | Rathaus Lüttringhausen

Lesung Nizaqete Bislimi
Durch die Wand


Von der Asylbewerberin zur  Rechtsanwältin

Nizaqete Bislimi kam im September 1993 als Kind mit ihrer Familie als Asylsuchende in die Bundesrepublik Deutschland.
Ihre schulische Ausbildung schloss sie mit dem Abitur ab. Danach studierte sie Rechtswissenschaften. Nach dem ersten Staatsexamen begann sie im April 2006 mit einer Duldung das Referendariat. Nach knapp 13 Jahren erteilte ihr die Ausländerbehörde im Juni 2006 eine Aufenthaltserlaubnis. Nach dem zweiten Juristischen Staatsexamen erhielt sie im November 2009 eine Zulassung als Rechtsanwältin. Sie arbeitet in einer großen Kanzlei in Essen besonders im Ausländerrecht und Ausländerleistungsrecht. Sie kennt die Situation der von der Abschiebung bedrohten Personen aus eigener Sicht, weiter aus der Sicht einer verwaltungsgerichtlichen Kammer sowie nunmehr aus anwaltlicher Sicht. Sie ist 1. Vorsitzende des Bundes Roma Verband e.V. Nizaqete Bislimi trägt zu Beginn vor, wie sie die derzeitige Debatte um Flüchtlinge erlebt. Sie liest aus ihrem 2015 erschienen autobiografischen Buch "Durch die Wand" und steht anschließend zum Gespräch bereit.
Ein Büchertisch wird angeboten.

Das vollständige Programm der IWgR Remscheid finden Sie hier.

 

Buch des Monats 02-2016

Ruth Klüger   weiter leben

dtv 7.90 €


Zum Inhalt:

Kindheit einer Jüdin in Wien
Mit sieben Jahren durfte sie in ihrer Heimatstadt Wien auf keiner Parkbank mehr sitzen. Mit elf kam sie in KZ. Ruth Klüger erzählt ihre Kindheit und Jugend. Mit unbestechlicher Klarkeit und souveräner Menschlichkeit berichtet sie vom Grauen der Vernichtungslager und vom »weiter leben«. Als sie trotz der Verbote für Juden ins Kino geht, um Walt Disneys Schneewittchen zu sehen, stellt eine Nachbarstochter sie bloß und droht mit Anzeige. »Der Tod, nicht Sex war das Geheimnis, worüber die Erwachsenen tuschelten, wovon man gern mehr gehört hätte. Ich gab vor, nicht schlafen zu können, bettelte, daß man mich auf dem Sofa im Wohnzimmer (eigentlich sagten wir Salon) einschlafen ließe, schlief dann natürlich nicht ein, hatte den Kopf unter der Decke und hoffte, etwas von den Schreckensnachrichten aufzufangen, die man am Tisch zum besten gab. Manche handelten von Unbekannten, manche von Verwandten ...«

Buch des Monats 16-01

Lyrik und Geschichten für jeden Tag des Jahres

"Man soll alle Tage wenigstens ein gutes Gedicht lesen". Diese Empfehlung von Johann Wolfgang Goethe nehmen wir uns zu Herzen und deklarieren als Buch des Monats Januar einen 'Reigen an Gedichten aus der ganzen Welt'. Er stellt einen Jahreskalender mit Lyrik aus unterschiedlichen Jahrhunderten mit bekannten und weniger bekannten Autoren in Buchform dar.

Wer es eher mit Geschichten versuchen will, dem sei der literarische Kalender mit 365 Geschichten empfohlen. Animierend, nachdenklich, humorvoll. Beide Bücher sind von Daniel Kampa herausgegeben und bei Diogenes erschienen.

Buch des Monats 15-12

Franz Segbers/Simon Wiesgickl (Hrsg.)

Diese Wirtschaft tötet - Kirchen gemeinsam gegen Kapitalismus

VSA-Verlag 2015     16.80 €

Es gibt eine große Ökumene von Rom bis zu den anglikanischen, orthodoxen, evangelischen Kirchen: Mit dem derzeitigen kapitalistischen System, das weltweit dramatische Ungleichheiten produziert, kann es so nicht weitergehen. »Land, Arbeit, ein eigenes Heim – seltsam, wenn ich darüber spreche, ist der Papst für manche ein Kommunist.« Dies sagte Jorge Mario Bergoglio, besser bekannt als Papst Franziskus, im Rahmen eines Treffens mit dem links-gerichteten bolivianischen Präsidenten Evo Morales.

In diesem Buch sind erstmals in deutscher Sprache die profiliertesten Autoren innerhalb dieser neuen weltweiten Ökumene versammelt: Autoren aus Christentum, Judentum, Islam und Buddhismus sowie aus Europa, den USA, der Schweiz, Kuba, Südkorea und Brasilien. Sie markieren den breiten und hierzulande kaum bekannten weltweiten Konsens der Kirchen und Religionen über die tödlichen Triebkräfte des Kapitalismus.

Buch des Monats 15-08

Die Kuh ist kein Klima-Killer. Wie die Agrarindustrie die Erde verwüstet und was wir dagegen tun können

von Anita Idel

Anita Idel ist Tierärztin, Mitbegründerin der Gesellschaft für Ökologische Tierhaltung und des gen-ethischen Netzwerkes. Sie forscht zu nachhaltigen Tierhaltungssystemen und ist Mediatorin im landwirtschaftlichen Diskurs.

Das Buch zeugt von einer außerordentlichen Sachkenntnis und zeigt, dass eine nachhaltige Landwirtschaft, von der Mensch, Tier und Umwelt profitieren, möglich ist. Ein erster Schritt muss ein Ende der Augenwischerei der Agroindustrie sein, die mit blühendem Landidyll wirbt, mit der industriellen Massenproduktion jedoch unsere Lebensgrundlagen beschädigt. Wenn die wahren Kosten dieser Praxis deutlich werden, hat die industrielle Landwirtschaft keine Zukunft mehr.

Buch des Monats 14-06

Schwarzbuch Waffenhandel

Deutschland ist Europas größter Waffenexporteur. Die Bundesrepublik beliefert nicht nur Freunde, sondern auch Drittstaaten. Darunter finden sich zahlreiche Länder, die wegen ihres autoritären Regierungssystems und massiver Menschenrechtsverletzungen international in der Kritik stehen. Jürgen Grässlin ist Träger des "Aachener Friedenspreises" und zählt zu den profiliertesten Rüstungsexperten Deutschlands. Er ist der Sprecher der Kamagne "Aktion Aufschrei: Stoppt den Waffenhandel!".

Buch des Monats 14-03

Gerhard Klas / Philip Mader (Hg.)

Rendite machen und Gutes tun?

Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik

Campus-Verlag 2014,     19.90 €

Die Diskussion um den Sinn von Mikrokrediten, die Gerhard Klas und Philip Mader mit ihrem Reader befördern wollen, ist nötig. Aus der Sicht von 17 unterschiedlichen Autoren werden Erfahrungen mit Mikrokrediten dargestellt und Zusammenhänge mit einer neoliberalen Wirtschaftspolitik aufgezeigt, die nachdenklich machen.

Mikrokredite werden von vielen Organisationen  beworben, die gute Absichten haben und in den Kleinkrediten die Möglichkeit sehen, die Eigeninitiative und das Selbstbewusstsein von Kleinbauern und Handwerkern in der Einen Welt zu fördern. Neben nachweisbaren Erfolgen stellt sich aber durch die rasante Entwicklung der Mikrokredite immer dringlicher die Frage, ob die Bekämpfung von Armut durch Schuldenaufnahme wirklich gelingen kann.

Der Sammelband greift die Thesen aus Gerhard Klas Studie „Die Mikrofinanz-Industrie. Die große Illusion oder das Geschäft mit der Armut“  aus dem Jahr 2011 auf und unterstreicht sie mit vielen Einsichten und Argumenten – auch mit Beiträgen von Autoren aus der südlichen Hemisphäre. Nur eines leistet das Buch nicht: darzustellen, wie eine nachhaltigere Entwicklungsarbeit aussehen sollte. Aber eins nach dem andern. Jetzt müssen erst einmal die Ziele und Erfahrungen mit der Vergabe von Kleinkrediten diskutiert und gewürdigt werden.

Buch des Monats 14-01

Sotschi und die olympische Idee

 Zu den eindrucksvollen Erfahrungen Evangelischer Kirchentage gehört für mich der Brauch, noch vor den Gottesdiensten zur Eröffnung des Kirchenfestes der Menschen zu gedenken, die am Veranstaltungsort Unrecht erlitten haben, und sie über aller aktuellen Debatte und fröhlichem Begegnen nicht zu vergessen. Ich erinnere mich an einen Park in Dortmund mit einer Gedenkstätte für russische Kriegsgefangene, die noch in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs erschossen wurden, oder an eine Veranstaltung am Bremer Dom. Dessen Portale sind mit biblischen Szenen im 19. Jahrhundert gestaltet worden, die deutlich antisemitische Züge tragen. Der Kirchentag war die Gelegenheit für die Domgemeinde, ihr heutiges Verständnis dieser Darstellung entgegen zu setzen: die Türen als Mahnmal anzusehen und sich entschieden gegen Diskriminierungen aus ethnischen oder religiösen Gründen zu wenden.

 Obwohl die olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi am Schwarzen Meer durchaus ihren Glanz entfalten, hätte dieser Veranstaltung, die ja eigentlich Impulse zur Verständigung und zum Frieden setzen soll, eine solche Gedenkveranstaltung gut getan. Denn vor 150 Jahren, am 21. Mai 1864, hat in Sotschi eine große Siegesparade der zaristischen Armee stattgefunden, mit der der Sieg über das Volk der Tscherkessen bejubelt wurde. Mindestens 320 000 Tscherkessen wurden getötet, 500 000 wurden aus der kaukasischen Heimat vertrieben. Die türkische Regierung hatte sich ursprünglich zur Aufnahme von 50 000 Tscherkessen bereit erklärt. Es kamen Hundertausende. Hunger und Krankheiten grassierten. Männer ließen sich willig vom türkischen Militär anwerben, um ihre Familien vor dem Hungertod zu retten. Der Sklavenhandel mit Frauen und Mädchen nahm neue Dimensionen an, obwohl er in der Türkei seit 1858 offiziell verboten war. Um den Druck der zahlreich nach Istanbul strebenden Zwangsumsiedler zu verringern, wurden ihnen Orte auf einer Linie zugewiesen, die von Sinop an der Schwarzmeerküste bis nach Antakya am Mittelmeer reichte, eine Strecke von immerhin 1000 Kilometern.

 Zar Alexander II. hatte die Kaukasus-Region dadurch unterwerfen wollen, dass die Tscherkessen sich aus dem Kaukasusgebirge in das Tal des Kuban-Flusses begeben sollten, um dort zu siedeln. Es war ihm nicht genug, dass tscherkessische Unterhändler ihm anboten, die russische Herrschaft anzuerkennen, wenn sie dafür in ihren Bergdörfern wohnen bleiben dürften. Der Zar erließ eine „Vorschrift zur Besiedlung des Kaukasus“ und gab damit seiner Generalität einen Freibrief, den Kakasus von seinen ursprünglichen Bewohnern zu „säubern“, indem sie umgebracht und deportiert wurden.

 Die in alle Welt verstreut lebenden Tscherkessen heute wollen nicht in ihre alte Heimat zurück, aber sie wollen als Volk nicht vergessen sein. Sie empfinden die Weigerung, der Opfer des Kaukasus-Krieges zu gedenken als eine erneute Verunglimpfung. Dass das heutige Russland unter Präsident Wladimir Putin die Geschichte vergessen machen möchte, die er doch dem Zaren anlasten könnte, hängt mit dem eigenen ungeklärten Verhältnis Russlands zu den „Bergvölkern“ zusammen. Hier ist die politische Linie von Alexander II. bis zu Präsident Putin merkwürdig gleich geblieben.

 Wer genauer die Geschichte eines vergangenen Volkes entdecken will, kann zu dem Buch von Manfred Quiring greifen: Der vergessene Völkermord. Sotschi und die Tragödie der Tscherkessen. Es ist im F(l)air-Weltladen erhältlich.

 Einzelne Nachfahren der Tscherkessen leben heute auch unter uns. Einer von ihnen ist Cem Özdemir, Bundesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen. Sein Großvater gehörte zu den Männern, die in der Türkei Zuflucht fanden. Vergessen gelingt nicht – zum Glück.    jhn

Buch des Monats 13-10

Nico Paech:

Befreiung vom Überfluss

Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie

Nico Paech war sehr beeindruckender Referent in den Septembergesrächen 2013.

"Wenige Dinge intensiver zu nitzen und zu diesem Zwecke bestimmte Optionewn einfach zu ignorieren, bedeutet weniger STRESS UND DAMIT MEHR GLÜCK: Das einzige noch verantwortbare Gestalltungsprinzip für Gesellschaften und Lebenstile heißt Reduktion - und zwar verstanden als Befreiung von jenem Überfluss, der nicht nur unser Leben verstopft, sondern unsere Daseinsform so verletzlich macht."

Eine beeindruckende und gut verständliche Zusammenfassung und Begründung der Postwachstumsökönomie.

Buch des Monats 13-08

Andrew Feinstein:

Waffenhandel

Das globale Geschäft mit dem Tod


Lesen Sie hier eine Rezension aus der Süddeutschen Zeitung.

Buch des Monats 13-06

Gotthold Hasenhüttl

Glaube ohne Denkverbote
Für eine humane Religion

Der bekannte Theologe und Kirchenkritiker Gotthold Hasenhüttl setzt sich mit den Grundaussagen der christlichen Religion auseinander. Er zeigt, dass der Glaube auch heute noch etwas zu bieten hat – sofern man bereit ist, von den dogmatischen Lehrmeinungen der (katholischen) Kirche abzurücken. Hasenhüttl behandelt alle wichtigen Kirchenthemen und interpretiert sie entsprechend der Botschaft Jesu neu. Dabei geht er auch auf streitbare Themen, wie die Bedeutung und Auslegung der Sakramente, das Zölibat oder die Haltung der katholischen Kirche zu Verhütung und Homosexualität ein. Er zeigt dass die hierarchische Struktur der katholischen Kirche und ihre Lehrmeinungen einem weltoffenen Glauben oft im Weg stehen.

Seine These:

Für den Glauben darf es kein Denkverbot geben, denn die Glaubensinhalte müssen sich vor der Vernunft verantworten können.

© 2012 Ökumenische Initiative Lüttringhausen e. V.